Eine posthumanistisch- ontologische Sichtweise auf die Umwelt.

WS 20/21 Bewegung

Verschränkungen der Realität

Eine posthumanistisch- ontologische Sichtweise auf die Umwelt.

Der Materialisierungsprozess der Soft Born Exits

Zitat: Materie wird produziert und ist produktiv, sie wird erzeugt und ist zeugungsfähig. 23

Wenn man davon ausgeht, dass viele für den Menschen unerkannte Phänomene sich ihren Weg bahnen, endet die Geburt dieser Phänomene in der menschlichen Belanglosigkeit. Jedoch streben wir genau nach diesen Belangen. Daher versuche ich Barad’s Theorie auf ein visuelles Projekt zu transkribieren. Diese Absicht ist Kritik an ihrem vorgeschlagenen agentiellen Realismus und kreatives Experiment zugleich. Es mag zunächst absurd erscheinen, denn in ihrer Verschränkung der Realität, verlässt der Mensch die Spitze der Hierarchie. Doch wie soll es in den Verstand übergehen, wenn nicht aus subjektiver Perspektive? 

Innerhalb von Intraaktionen, performativer Praxis und Phänomenen, befindet sich in meiner Arbeit ein Subjekt und Objekte wie eine Kamera und etwas Räumliches in Gestalt von Grund und Boden, welche sich zunächst ohne bestimmte Grenzen einreihen und sich vorerst undefiniert miteinander verschränken. Sobald jedoch eine Praxis stattfindet, werden Grenzen materiell-spezifisch.

Beispiel: Ich trete auf den Asphalt. Hierbei geht es nicht um festgelegte visuelle Grenzen dieser aufgezählten Situation, die irreführend sind. Denn:

Zitat: Die Umrisslinie ist nur der Kantenübergang zwischen Hell und Dunkel, oder dieser und jener Farbe. Es ist nichts Bestimmtes.[…][E]s ist nicht so, dass jedes Objekt eine Linie rundherum hat! Es gibt keine solche Linie. Eine solche Linie existiert nur in unserer psychologischen Vorstellung. 24

Sonst könnten wir auch denken, die Welt wäre eine Scheibe. Denn selbst wenn wir nah an die Grenze ranzoomen würden, wäre keine Linie sondern ein Streuungsmuster zu erkennen. 

Die Visualisierung eines Streuungsmusters, soll die Definition unklar werden lassen und den Materialisierungsprozess in den Vordergrund stellen. 25

Auf der Suche nach den sanften Geburten der existierenden Phänomene, in der italienischen Stadt Salerno.

Wie definieren sich Körpergrenzen in Bezug zu meinem Stadt-Projekt?

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Dynamik von Grenzen. Zu beginn des Semesters habe ich eine digitale Skizze erstellt, in der die Grenzen, der dort zu sehenden Situation, dynamisch in Bewegung sind. Mit Barads Übersetzung, befindet sich die Äußerlichkeit innerhalb eines Phänomens. Somit entsteht eine innere Äußerlichkeit. Die digitale Skizze steht metaphorisch für eine immanente Bewegung und erinnert durch die Farbigkeit und den Ton an eine ärztliche Operation oder eine Geburt. 

Ausgehend von diesem Standpunkt ging die Arbeit in den Stadtraum. Mit einer Kamera wurden dort Struktur-Bilder aufgenommen. Ein aufgenommenes Bild hat eindeutig Ecken und Kanten, die eine Grenze ziehen. Begrenzungen im Bild scheinen zunächst, wie eine Einschränkung und Eingrenzung, die nicht Ziel dieser Arbeit sind. Doch ist diese Eigenschaft besonders nützlich, wenn man die Skalierung einbezieht. Nur die Einschränkung und Eingrenzung dieser skalierten Bilder, bringt die Struktur in undefinierbare Bereiche. Die Bilder sollen von klaren Definitionen getrennt werden und den kulturellen, sowie den natürlichen Charakter vereint zeigen. 

Ein weiterer Aspekt sind die Pixel, die durch die Kamera auf dem Bild entstehen. Sie könnten sich wie Streuungsmuster verhalten, wodurch die Linie dynamisch bleibt. So kann im weiteren Prozess an einem anderen Punkt angesetzt werden. 

Definition von Soft Born Exits:

Es befinden sich eine Vielzahl sanfter Geburten materiell diskursiver Phänomene in unseren Alltagen, die nicht laut schreien sobald sie erscheinen und somit nicht auf sich aufmerksam machen können. Soft Born Exits sind sanfte Materialisierungs-Geburten, die in der Raumzeit stattfinden.

Beispiel: Sie sind Eierstock (Apparat) und Eizellen (Agentien) zugleich und produzieren (Intraaktionen / agentielle Schnitte) ständige Eisprünge (Phänomene). Alles kann Nährboden für diesen Prozess sein, nicht nur der menschliche Körper und das denkende Wesen. Dieser Prozess dehnt sich auf Mikroorganismen aus. Den Soft Born Exits wohnt eine gespaltene Persönlichkeit von produktiven und produzierten Agentien inne. Sie sind jedoch gleichzeitig eine Einheit. 

Eine Einheit-Zwei.

Wie werde ich (als Mensch) zu einem Beobachter der Soft Born Exits?

Ich denke, das geschieht durch ein Flanieren. Grade im Stadtraum, wo der menschliche Einfluss auf die Umwelt sehr groß ist, befindet sich eine weitläufige Anzahl an Materialisierungen von Materie. Das geschieht natürlich genauso in der wilden Natur, nur ist der Stadtraum noch mehr Natur und Kultur in seiner Gegenüberstellung, die sich ständig den Spiegel vorhält. In der wilden Natur wäre da nur der Mensch als natürlich-kulturelles Zeugnis. Er müsste zu sich selbst Distanz schaffen, um die direkte Konfrontation von Natur und Kultur zu beobachten. Die Natur hingen, z. B. an Orten der (Müllhalde), ist ein sehr guter Ort für das Beobachten der Soft Born Exits. 

Transkription: 

In meiner Arbeit sind die Phänomene der zu sehenden Oberflächen produziert durch eine performative Praxis, die agentielle Schnitte zieht, ohne sie vorher konzeptualisiert zu haben. Die Kamera wird Teil meines Körpers. Durch diese Perspektive entscheidet sich mein drittes Auge für einen Moment, der nur durch den vorherigen Moment und der Materialisieung meiner Umgebung entstanden ist und so weiter. Es geschieht durch das Flanieren in der Raumzeit, die in dem Moment keine Rolle zu spielen scheint und genau deswegen wichtig im Prozess ist, woraus sich Materialisierungen ergeben können. Vielleicht kann man mit diesem Ansatz den Determinismus und den Zufall ausschließen, und stattdessen physikalische außer- und innermenschliche Intraaktionen und Prozesse, die eine Verschränkung der Realität materialisieren, präsentieren. Der Mensch ist mit-verantwortlich für die Re-Konfigurationen die sich aus der produzierten und produktiven Materie ergeben. Jedoch nicht weil er eine Wahl trifft, sondern weil er beispielsweise wie die Oberfläche in meinen Bildern durch agentielle Schnitte mitkonstruiert. Daraus bildet sich materielle Relevanz in einem verflochtenen Netz von Intraaktionen, die wiederum relevant für den weiteren Prozess sind.

Schluss:

Nicht nur der Prozess ein Bild aufzunehmen, sondern auch die aufgenommenen Bilder, sollen eine Transkription ihrer Theorie sein. Mit der Vorstellung über die Raumzeit zeigt sich in den Bildern eine eigenständig produzierte und produktive Materie. Ihre Streuungsmuter versuchen die Definition zu umgehen. Die Bilder sollen dazu anleiten, die Vorstellung über aktive intraagierende Materie zu erweitern. 26

Referenzen:

23. Karen Barad, Agentieller Realismus, Edition Unseld SV, 2018, S.14

24. Feynman 1987, 36-6, in Karen Barad, Agentieller Realismus, Edition Unseld SV, 2018, S.48

25. Karen Barad, Agentieller Realismus, Edition Unseld SV, 2018, S.49

26. Karen Barad, Agentieller Realismus, Edition Unseld SV, 2018, S.44

Zitat: Das »bestimmte Versagen eines Werkzeugs kann nur auffallen in einem und für einen hantierenden Umgang. Selbst das schärfste und anhaltendste >Wahrnehmen< und >Vorstellen< von Dingen vermöchte nie so etwas wie eine Beschädigung des Werkzeugs selbst zu entdecken.« – Heidegger

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Ein bewegtes Bild als digitale Skizze über mein Vorhaben.

nebulös

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WS 2020

 Seht die bedrohlichen Figuren in ihren eigenen Mythologien.

 

Intro:

Mich interessiert das Thema >new materialism< und die allgemeine Frage über Subjekt/Objekt Beziehungen im gemeinsamen Umgang miteinander. Diese theoretischen Erkenntnisse knüpfe ich an kreative Prozesse. Wichtig in meiner Analyse ist außerdem das Thema >Kunst in Bezug zum neuen Materialismus< und die künstlerische Herangehensweise von Künstler*innen mit diesem Thema. Diese Bewegung entstand durch den rapiden technologischen Fortschritt und die durch Menschen kreierten ökologischen Krisen. Laut dieser Bewegung befinden wir uns zwischen drei Ebenen; Technologie -> Mensch -> Natur/Umwelt. Das Feld ist Breit und somit habe ich mich in diesem Semester für den Ansatz der Überwindung des menschlichen Subjekts entschieden und daraufhin einen Katalog designed. 

Zu Beginn des letzten Semesters habe ich Jane Bennetts Buch >Vibrant Matter< gelesen, was wie gesagt ein Beispiel in einem Pool von Spektren des Neuen Materialismus ist. Entlang dieses Buches und ihres theoretischen Ansatzes habe ich versucht diesen Zweig zu durchleuchten, um näher an eine Idee für meinen Master zu kommen. Es geht also um die Auflösung des hegemonialen Anthropozentrismus? Scheint unmöglich Dennoch können Räume kreiert werden um zu besprechen und zu erfahren. Raum Eins.

In einer anderen Arbeit habe ich mich gleichzeitig mit dem materiellen und ökologischen Feminismus auseinandergesetzt um Vergleiche und Kritiken innerhalb beider Themenbereiche herstellen können. Raum Zwei.

Follow the Line ————>

The realization happened in a mixture of surrealistic techniques and all the words I felt necessary for the description: (a+b)

Entstanden ist ein Katalog, der die sieben Bereiche in Bennetts Buch deformiert (siehe Inhaltsverzeichnis). In ihren Texten stieß ich auf die Actor-Network Theory, unter anderem von Bruno Latour behandelt. Dabei geht es beispielsweise um Aktanten oder Quasi-Objekte, die verschiedenste Rollen einnehmen, eine Reaktionskette und letztlich ein Handlungsnetz bilden. Zum Teil ist dieses vorhersehbar, zum Teil nicht. Ein Konzept ohne Konzept.

Durch meine Recherche bin ich auf viele Bezeichnungen gestoßen, die ich jeweils in eines der Sieben Kapitel hinzugefügt habe. Die sieben Kapitel und Begriffe befinden sich in meinem Inhaltsverzeichnis. 

Der Katalog ist Schablone und Skizzenbuch und beinhaltet 100 Seiten. Hauptsächlich befinden sich hierin die scheinbar bedrohlichen Figuren aus ihren eigenen Mythologien in Bezug zum Buch >Vibrant Matter<. Zum Anderen bietet der Katalog einen Raum für Zitate, eigene Gedanken und Hinweise, die ich im Vergleich mit dem >Neuen Materialismus<, >ökologischem Feminismus< und >materiellen Feminismus< beobachten konnte. 

>I see my historical theoretical work by uncovering the memories along the lines of feminism and the sketchbook-catalogue, with the content of the new materialism, as elements that build on each other and come into contact.<

Always follow the Line ————>

PS: Innerhalb der (Un)schärfe. Here are some shot screens.

Feedback:

Feedback:

Vor allem erhielt ich Feedback über das Unverständnis meiner Arbeit. Daran war deutlich zu entnehmen, dass ich noch ganz am Anfang der Organisation meiner Recherchen stand. Die Unklarheit habe ich zu meinem Thema gemacht. Ich bin positiv darüber, dass es immer transparenter und klarer wird und genau deshalb nicht greifbar ist. Ich werde mir verschiedene Bereiche innerhalb meines Interessengebiets vornehmen, durchleuchten, zerkauen, verdauen, herunterschlucken, bis ich entlang der Linie finde was ich suche.

Conclusion: 

Conclusion

Durch die Recherche ebnen sich neue Begegnungen. Mein Interesse verlagert sich durch Karan Barad (eine weitere Theoretikerin des Neuen Materialismus) und ihre Bemerkungen über den Apparat und dessen zum Vorschein bringende Phänomene. Meine Gedanken bewegen sich; sie bewegen sich in Realitätsebenen, mein Körper bewegt sich in Realitätsebenen; sowie auch all die anderen Subjekte und Objekte um mich herum in diesen Ebenen schweben und sich bewegen. 

Zitat: >Wenn man alles über die Sonne und alles über die Atomsphäre und alles über die Erdumdrehung weiß, ist es immer noch möglich, dass man den Glanz des Sonnenuntergangs nicht sieht.<        – Whitehead. In. Siegfried Kracauer. Erfahrung und ihr Material. 1960.

Mein neues Ziel ist, über den Katalog hinaus, meine Perspektiven durch ein bewegtes Bild zu erweitern. Man wird sehen. 

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