Kampfkunst – Der Weg zwischen Logos und Intuition

Was unterscheidet die Kampfkunst vom Kampfsport?
Der Kampf in der Kampfkunst
- Begegnung mit einem Gegenüber
- ungewiss, riskant
- Sieg oder Niederlage; Leben oder Tod
- erfordert Kampfgeist
- Auseinandersetzung mit Körper und Geist > Persönlichkeitsentwicklung
- eigene Ängste werden bewusst
- intime Situation > persönliche Stärken und Schwächen werden im Kampf preisgegeben
- Ehrlichkeit ist in jeder Sekunde wichtig
- Dualismen tauchen auf: ohne Schwäche keine Stärke; ohne Herausforderung keine Leistung
Die Kunst in der Kampfkunst
>> Ehrenreich beschreibt die Kunstgeschichte im Schnelldurchlauf und zieht von
jeder Epoche Parallelen zur Kampfkunst, findet gemeinsame Eigenschaften <<
- Griechen, Entwicklung der Perspektive
- detailverliebte Idealform
- Kunst der Zweckhaftigkeit (Thomas von Aquin)
- Renaissance, das Hässliche nicht mangelhaft, die Schönheit lebt durch Vielfalt
- Künstler mit Eigenanspruch, vertikale Ausrichtung, Praxis mit Wissen verbinden
- Impressionismus, es geht um Intuition, Spontanität, Stimmung
- weiche Malart, Farbe und Form gehen in einander über
- Andeuten, fließender Übergang
Die Kampfkunst
- das eigene Leben ist immer ein Prozess
- ständige Weiterentwicklung, neue Herausforderungen, immer in Bewegung
- das Wort »Weg« ist von großer Bedeutung (fast alle Kampfkunst-Disziplinen enden auf »Do«)
»Die Möglichkeit, sich ein Leben lang zu verbessern, ist die Voraussetzung,
um von Kampfkunst zu sprechen.«

Der Baum als Metapher

Der Baum wird in der Gestaltung generell oft verwendet – in
verschiedensten Kontexten dient er als bildhafte Unterstreichung:
Diagramm, Informationsvisualisierung, Bildmarke, Symbol des Lebens. Die visuelle Bandbreite ist groß, aber auch die inhaltliche Anwendbarkeit ist gegeben. Der Baum als Metapher oder Veranschaulichung lässt sich auf viele unterschiedliche gesellschaftliche Themen übertragen. Auch die vielen Bestandteile des Baums führen zu der Vielfältigen Anwendung (Baum, Äste, Triebe, Blüte, Blätter, Stamm, Rinde usw.).
In religiösen Kontexten steht er für die Verbindung vom Himmlischen mit dem Irdischen – der Baum der Erkenntnis ist auch jedem bekannt. Rene Déscartes bezeichnete im 17. Jhd. das Gefüge aller Wissenschaften als Baum des Wissens, wobei die Wurzeln für die Philosophie, der Stamm für die Physik und die Äste für die Wissenschaften standen. Der Baum wurde somit als epistemologisches Ordnungssystem genutzt.
Petrus Hispanus stellte den Baum durch »den Baum des Porphyrios« (siehe Abb. links oben) erstmals in wissenschaftliche Kontexte. Dies hat sich zu Baumdiagrammen und Entscheidungsbäumen entwickelt, die z.B. in der Notfallmedizin oder der Stochastik eingesetzt werden.
Sehr bekannt ist natürlich auch der Stammbaum, der Baum wird also für zeitliche Abläufe verwendet, auch für Zeitepochen oder als Zeitstrahl. Es überrascht nicht, dass der Baum schon frühzeitlichen Leben beeindruckte und als Orientierungspunkt diente – und die Menschen gerne ihr Dasein mit einem Baum vergleichen, der größten Pflanze der Erde. Wir teilen z.B. auch Landschaften in oberhalb und unterhalb der Baumgrenze ein.
Das Dojo
»Das Training im Dojo bleibt das Herzstück in der Kampfkunst.
Besonders wichtig hierbei ist, das die Kampfkünste Wege aufzeigen (…).«

Der Begriff »Dojo« kommt aus dem Zen-Buddhismus und bezeichnet dort den Raum zum meditieren. Das Dojo als Ort des Trainings dient nur einem Zweck: vom Kampfsport zur Kampfkunst zu finden. Das Dojo steht aber auch für das Training in der Gemeinschaft und das damit verbundene Lebensgefühl. Man verfolgt ein gemeinsames Idealbild – stärker und gesünder zu werden und zu sich selbst zu finden.
Im Buch befindet sich eine relativ genaue Ästhetik-Beschreibung eines Dojos:
- Simplizität, Effizienz
- natürliche Farben, Erdtöne, unbehandeltes Holz
- keine Ornamente, keine Ablenkung
- Leere, Freiraum, kahle Wände
- schlicht, klar
- optischer und akustischer Überreizung des Alltags entfliehen
- harmonische Verbindung von Form und Funktion
Buchcover Entwurfsphase
Schriftgestaltung
Drei verschiedene Ansätze:
Um die richtige Typographie für das Cover zu finden, die der Leidenschaft für das Leben, für den Kampf und insbesondere für die Kampfkunst gerecht wird, habe ich verschiedene Schriften entworfen, bzw. verschiedene Handletterings gestaltet.
Die erste Schrift (links) orientiert sich an der alten, deutschen Kurrentschrift – eine Laufschrift aus dem 16. – 19. Jahrhundert. Diese diente als Vorlage, um Buchstaben zu entwickeln, die gleichermaßen traditionell standhaft, wie auch bewegt, individuell wirken. Das obere Wort „Kampf“ ist in der eckigen Variante geschrieben, das Wort „Kunst“ darunter in der abgerundeten Variante. Im Zusammenspiel verdeutlichen sie den Dualismus Hart – Weich, der in der Kampfkunst eine große Rolle spielt.
Jedoch leidet die Lesbarkeit stark unter den verspielten, verschlungenen Formen – und insgesamt ist das Schriftbild nicht überzeugend genug, sodass ich mich gegen diese entschieden habe.
Danach habe ich eine etwas rauere Methode gewählt, die der Stärke, der Kraft, dem Mut und innerem Halt visuell Raum geben sollte. Dazu habe ich die Buchstaben aus Pappe grob ausgeschnitten, sie eingescannt und bearbeitet (mittig). Das gibt den Buchstaben ein sehr authentisches, kraftvolles Aussehen. Da die Kampfkunst aber insgesamt ein so komplexes Thema ist, das die Stärke mehr auf eine feinfühlige, ruhige Art verkörpert, war mir diese Variante zu rau.
Die Schrift, die nun letztendlich auf dem Buchcover zu sehen ist, habe ich frei Hand in Illustrator gezeichnet – das gibt dem Cover eine einzigartige Handschrift (rechts). Die Linienführung erinnert stark an japanische Schriftzeichen, wodurch die Verbindung zu Japan sofort offensichtlich wird. Die Buchstaben haben eine minimale Bewegungsunschärfe, welche die ständige köperliche und geistige Bewegung visualisiert.

Finales Buchcover
Durch den Einsatz des handgezeichneten Titeltextes und das rote Kreiselement verweist das das finale Cover auf den ersten Blick typographisch (Kalligrafie) und iconographisch (Landesflagge) auf den japanischen Hintergrund.
Trotz seiner zahlreichen Elemente wirkt das Cover klar und aufgeräumt. Dieser Eindruck wird zunächst strukturell durch die Aufteilung in zwei Flächen (schwarz und weiß), das rote Kreiselement (Baumicon) und großzügig eingesetzten Weißraum erzielt.
Die schwarze Fläche im unteren Drittel steht für das stabile Fundament, das als Basis für den »weiteren Weg« steht.
Der Titel »Kampfkunst« ist weit oben plaziert und unterstützt durch diese Anordnung formal die Richtung »nach Oben«. Unterstützt wird dieser »Richtungshinweis« durch den vertikal gesetzten Titel und den gestürzten Untertitel. Der Untertitel »Der Weg zwischen Logos und Intuition« trennt die beiden versal geschrieben Wörter des Hauptitels »Kampf« und »Kunst« und macht diese so besser lesbar. Leicht nach unten versetzt stiftet der Untertitel außerdem die Verbindung
zum Baumicon (negativ weiß) in dem roten Kreiselement, das aus dem unteren schwarzen Fußbereich (stabiles Fundament) herausragt. Die Senkrechte des Baumelements weist in Richtung des Untertitels und erfährt so eine nicht sichtbare Verlängerung.
Der Name des Autors ist zurückgenommen und dennoch selbstbewußt mittig im unteren Bereich der schwarzen Fläche plaziert.
Die reduzierte Farbgebung (nur schwarz und rot) setzt sich auf der hinteren Umschlagseite fort. Hier ist der Text zentriert gesetzt und nimmt so die Mittenbetonung des Titels auf. Leicht nach links versetzt steht er spannungsvoll auf der Seite und schafft Raum für die Plazierung des EAN-Codes.
Das Cover vereint so die wichtigsten Merkmale der Kampfkunst: ein stabiles Fundament, eine anhaltende Kraft, eine klare Richtung nach Oben und den Weg als Ziel.


mini THESIS
was wäre wenn ich nächstes Semester meinen Master abschließe
Mensch und Maschine
Vernetzung
Kommunikation
mini Exkurs
Kybernetik – Norbert Wiener (u.a.)
























