MOBILITÄT IM ÖFFENTLICHEN URBANEN RAUM

Der öffentliche Raum schafft die Identität einer Stadt. Durch die Stadtplanung und Gestaltung öffentlicher Räume entstehen Bilder der Orientierung, die das Gesicht der Stadt prägen und entstehen lassen. Sie dient auch als Gerüst, verbindet und trägt die Stadt, sowie deren Bewohner und Besucher.

Die Stadt leitet die Gesellschaft und die Gesellschaft leitet sie. Öffentlicher Raum dient als dynamischer Knotenpunkt für Sozialisation, Kommunikation, Begegnungen mit Bekannten und Fremden. Er wird auch ökologisch, ökonomisch und politisch genutzt und befindet sich im stetigen dynamischen Wandel. Welche Problematik bringt dieser einher? 

Nutzungsintensivierungen, Modernisierungen aber auch Vernachlässigung und Funktionsverluste lassen sich vermehrt parallel beobachten und bringen urbane Räume in ein Ungleichgewicht. Ursachen für dieses Ungleichgewicht sind teilweise demografische Faktoren, sowie ein Bedürfnis- und Verhaltenswandel der Bevölkerung. Es besteht die Möglichkeit einer immer wieder neu eintretenden sozialen Assoziation. Somit muss der öffentliche Raum ständig neu gedacht und an gegenwärtige Faktoren angepasst werden. 

Eine Form der Anpassung war auch die Entfremdung der Natur durch die Urbanisierung. 

Der Prozess einer Entfremdung wird zunächst als eine Entwicklung mit negativen Auswirkungen aufgefasst. Ein bekanntes Beispiel einer urbanen Entfremdung ist die Gentrifizierung, die zu Beginn ein schleichender Prozess war, sich in den vergangenen Jahren jedoch erheblich beschleunigte. Beeinträchtigt der Strukturwandel der Gentrifizierung die Vielfalt unserer Städte? Und welchen Effekt hat dies auf den dortigen öffentlichen Raum?

Wie lassen sich heutige bauliche Nutzungsansprüche und öffentliche Grünanlagen in ein harmonisches Gleichgewicht bringen? Oder ist in dem Fall nur ein tendenzielles Gleichgewicht vorstellbar? Und welche Rolle spielt die Mobilität der Bevölkerung innerhalb der Stadt? Wie kann man sie messen, analysieren, visualisieren und nutzen? Welche Funktion hat die auftretende Entschleunigung hierbei? Wie definiert man eine Slow City und welche Aspekte führen, neben essentiellen nachhaltigen Veränderungen, zu einer verbesserten Lebensqualität? Wie wird Lebensqualität im öffentlichen Raum wahrgenommen? 

  • zeitgenössische Raumpraktiken (szenografische Raumkonzepte)
  • anknüpfen an BA Projekt,  Beschleunigung – Hartmut Rosa, Beschleunigungen im öffentlichen Raum, Historie der Mobilität, konkrete Infografiken aus Beton, Materialität im öffentlichen Raum
  • Städte für Menschen – Jan Gehl, Wie wird ö. Raum in Städten genutzt? Welche Maßnahmen ergriffen die Städte zur optimierten Nutzung von Innenstädten etc.? (Kopenhagen, Erweiterung der Fußgängerzonen) Inwieweit dient der ö. Raum als Flur oder Forum für den Austausch von Ideen und Meinungen bzgl. Themen großer gesellschaftlicher Bedeutung?
  • Räume als informelle und demokratische Treffpunkte Welche Rolle spielt die eigene Sinneswahrnehmung und wie beeinflusst sie unsere Größenordnungen? Wodurch wird sie beeinflusst, oder ließe sie sich beeinflussen?
  • Wahrnehmung und Geschwindigkeit (Mobilität)Wie könnten mögliche Raumerlebnisse oder sensorische Eindrücke aussehen? Was gibt es bereits?
  • DIGITALE ZONEN

    Über Geofencing und öffentliche Räume

    Die Definition einer Zone kann aus diversen Blickwinkeln betrachtet werden. Eine eindeutige Konnotation bildet hierbei der Raum. Die Zone beschreibt einen Raum, sie grenzt ihn ein. So beschrieben auch die meisten Teilnehmer:innen meiner Umfrage ihre persönliche Wahrnehmung einer Zone. Weitere Charakteristika waren die Zwei- oder Dreidimensionalität, sowie Ein- und Ausgrenzung, die den gegebenen Raum maßgeblich beeinflussen. Meine Definition einer digitalen Zone, bezieht sich auf den öffentlichen und digitalen Raum, der aus verschiedenen Ebenen besteht. Sie dient vermehrt zur Kontrolle und erhält dadurch einen Rahmen oder eine geografische Eingrenzung. Somit kann sich eine zweidimensionale Zone, beispielsweise ein geografischer Ausschnitt, durch das sogenannte Geofencing in eine dreidimensionale Zone entwickeln. Im folgenden Verlauf wird der Begriff des Geofencings genauer erläutert, sowie Prognosen diesbezüglich kritisch hinterfragt. 

    Geofencing setzt sich zunächst aus den englischen Begriffen „geographic“ und „fence“ zusammen. Hierbei lässt sich die Abgrenzung zur jeweiligen Umwelt erkennen, es wird zwischen Innerem und Äußerem unterschieden. Jedoch beschreibt Geofencing einen virtuellen Raum, bei dem durch das überschreiten der räumlichen Zone eine automatische Aktion hervorgerufen wird. Oftmals sind bei solchen Prozessen Ortungsdienste (Mobilfunk, GPS, WiFi, RFID) involviert. Menschen die sich in einer solchen Zone aufhalten und/oder über ein Smartphone verfügen und dieses nutzen, werden automatisch zu User:innen des öffentlichen Raumes. Welche alltäglichen Beispiele gibt es für Geofencing?

    Die meisten Menschen hatten bereits Berührungspunkte zu Geofencing, zum Beispiel über die Nutzung eines Mietwagens oder E-Scooters. Zudem gibt es weitere Beispiele wie Türen einiger Automobile mittels „keyless go“- Funktion, Sicherheitstags im Einzelhandel an Produkten, Smart-Home Systeme (teilweise auch fester Bestandteil in Applikationen des Smartphones), elektronische Halsbänder für Tiere, Werbeanzeigen durch Ortung (z.B. in der Gastronomie an durch Tourismus geprägten Orten), Mitarbeitern:innen einiger Unternehmen und Institutionen, Fahrer:innen von Geldtransportern oder auch in vereinzelten Ländern Menschen, die unter Hausarrest gestellt werden und elektronische Fußfesseln tragen. Doch welche neuen Formen dieser urbanen Zonierung etablieren sich aktuell?

    Grundsätzlich lässt sich weltweit eine Anreicherung neuer Technologien in Städten erkennen. Sensoren und Signale finden vermehrt auch im öffentlichen Raum ihren Einsatz. Aktuell werden viele dieser Technologien in der Plattformwirtschaft eingesetzt und teilweise instrumentalisiert, wodurch die Plattformwirtschaft stärkeren Einfluss auf Funktionsweisen unserer Städte erhält. Der Begriff der Plattformwirtschaft kann als Kapitalisierung digital generierter Informationen verstanden werden. Ein Faktor der in „Augmented Cities“ eine kapitalistische Bereicherung darstellen könnte und unsere Realität dahingehend in der Stadtplanung erweitern kann. Eine Zunahme virtueller Zonen lässt sich auch im Luftraum unserer Städte erkennen. Hierzu gehören private Luftstraßen oder auch Flugverbotszonen für Drohnen, wie zum Beispiel in Moskau.

    Bei der Betrachtung unserer traditionellen Zonierung einer Stadt fällt auf, dass diese gezielt auf der Stadtmorphologie basiert. Bestimmte Gebiete haben einen sehr bestimmten Nutzen. Dies betrifft unseren Wohnraum aber auch gewerbliche Bebauung, die oftmals gesetzlich festgeschrieben sind. Der Gesetzgeber bestimmt somit Gebäudehöhe- und Nutzung. Heutzutage können viele Gebiete einer Stadt zusätzlich virtuellen Zonen angehören, die von diversen Akteur:innen besetzt werden können, selbst wenn diese sich an anderen Orten befinden. Die Entstehung physischer nicht greifbarer Räume ist somit eine elementare Veränderung, die primär auch unsere Kommunikation und Wirtschaft beeinflusst. Doch wie werden diese virtuellen Räume und digitalen Zonen kapitalisiert?

    Maßgeblich ist hierbei die Erschließung neuer Märkte, um sich Vorteile zu erschleichen und der traditionellen Rechtssprechung, bzw. des aktuell bestehenden Rechts zu distanzieren, da der virtuelle Markt derzeit verhältnismäßig mehr Grauzonen besitzt. Es werden Bewegungsmuster der Menschen kapitalisiert und digitale Daten in hohen Summen monetisiert, durch beispielsweise Überwachungstechniken. Einige Dienstleistungen staatlicher Institutionen, wie Energiemanagement und öffentlicher Nahverkehr, werden zu Teilen privatisiert und durch die Plattformwirtschaft und Netzwerktechnologien (Big Data) optimiert. Digitale Giganten wie Amazon, IBM, Google, Siemens oder Cisco können hiervon enorm profitieren. Das Geschäftsmodell des Plattformkapitalismus basiert letztendlich auf der Sammlung frei zugänglicher Nutzerdaten und fördert ein aggressives Wachstum digitaler Formen des Kapitalismus. Ein erster Lösungsansatz wird bereits von einigen Datenschützer:innen vorgeschlagen: der Widerspruch zur Nutzung der Daten muss zu einem früheren Zeitpunkt für Verbraucher:innen möglich sein. Allerdings ist das Gegenteil bereits in vielen Fällen gesetzlich verankert.