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The sensory and spatial conditions of the real world, where physical, human and digital elements collide, offer an ideal opportunity to bring narrative to life. – Nathan Watts
Raum. Wir befinden uns immer in Räumen. Aber wo fängt ein Raum an? Wie nehmen wir ihn wahr? Was sind ausschlaggebende Dinge die uns bewusst machen, was uns umgibt. Genauer genommen, worin unterscheidet sich das Wahrnehmen einer virtuellen Landschaft von einer natürlichen Umgebung? Es sind die Sinne – das Spüren. In meinem Augen spielt vor allem das Gefühl im Design eine tragende Rolle. Denn mit Design wollen wir eigentlich immer nur eins erreichen: den Menschen. Und täglich erleben wir, wie uns Emotionen durch das Leben begleiten und sich in unsere Erinnerungen prägen. Denn nur was wir wirklich fühlen, bleibt in unserem Gedächtnis – es ist der unsichtbare Pfad auf den wir immer und immer wieder treten mit neuen Erinnerungen und schreiben diese Gefühle wieder um.



Zu mir und meinen Arbeiten: Ich bin seit meiner Kindheit fasziniert von Videospielen und bezog diese Umgebungen immer auf meine Realität. Vor allem der Vergleich von Atmosphären in virtuellen Räumen und Atmosphären in realen Räumen brachte mich früh dazu, mich künstlerisch damit auseinanderzusetzen. Bilder einer realen Umgebung so zu bearbeiten, dass sie plötzlich surreal wirken. Spielelandschaften in einer Game-Engine zu erstellen, die Elemente enthalten, die wir aus unserem Alltag kennen aber in der Komposition nichts mit der Realität zu tun haben. Digitale Blumen zu entwickeln, die man mithilfe eines Smartphones als Augmented Reality Blumen verschenken kann.

Und all diese Dinge sind aus der Motivation entstanden, für Menschen zu gestalten. Menschen etwas fühlen und erleben zu lassen. In meiner Bachelorarbeit habe ich einen realen Raum gebaut, in dem der Mensch interagiert und durch diese Interaktion erst das digitale Erlebnis von einer virtuellen Erweiterung von Räumen ermöglicht und das ganze auf Basis des Themenbereichs „Digitale Atmosphären“ mit Bezug auf die 4 Elemente die wir aus der Natur kennen. Und so komme ich nun zur Szenografie. Und vom Begriff Szenografie komme ich zum Begriff Kontext. Denn der Kontext ist nahezu allentscheidend für das Gestalten.
Stand: 23. März 2022

„Raumatmosphären wirken besonders emotional, da sie unseren gesammten Körper auf das äußere Ereignis einstimmen, was sich bis hin zum Einfluss auf die Stoffwechselfunktionen nachweisen lässt. Die Atmosphäre eines Raumes bestimmt die Intensität und Qualität unseres Erlebens.“
– Prof. Dr. Axel Buether, Multisensuelle Kommunikation im Raum
Ich habe gemerkt, dass ich immer aufmerksamer geworden bin, was Räume und Atmosphären angeht. Wenn ich bestimmte Atmosphären wahrnehme, wie zum Beispiel einen Hauseingang der mit ziemlich kalten Licht ausgeleuchtet ist und weißen Fliesenboden hat, dann frage ich mich, was es ist, das mich ein derartiges Unbehagen fühlen lässt? Ist es eine Erinnerung an einen ähnlichen Hausflur in dem ich war als es mir nicht gut ging? Ist es vielleicht die Vorstellung, dass man sich dort aufhält aber nicht wirklich eine Art Rückzugsmöglichkeit hätte? Oder viel eher eine Assoziation zu einem Film in dem so eine Art Hauseingang eher als befremdlich dargestellt wurde? Fragen über Fragen, gefolgt von Gedanken rund um dieses Thema. Raum und Gefühl. Was passiert im Dazwischen?

Jeder empfindet anders. Das musste ich mir in letzter Zeit auch bewusst werden. Ich bin ein sehr empfänglicher Mensch was Raumsituationen und Atmosphären angeht, aber ich habe mit Menschen gesprochen, die zum Beispiel sehr wenig oder gar nicht bewusst darauf achten, wie sich der Raum anfühlt. Und hier ist es wiederum interessant zu sehen, inwieweit sich der Raum auf unser Gefühl unbewusst auswirkt. Ein Befinden haben wir die ganze Zeit, wir fühlen rund um die Uhr, aber wenn uns etwas wehtut oder wir etwas trauriges sehen, treten diese Gefühle eher in den Vordergrund. Das ist auch gut so, denn unser Gehirn wäre viel zu überfordert wenn man alles gleich bewusst wahrnehmen würde – wir brauchen Fokus und Ablenkung.
Und dann kommen Räume und Atmosphären dazu, die in unserem Gehirn entstanden sind, wie zum Beispiel in Träumen. Inwieweit prägt die Wahrnehmung realer Räume unsere Vorstellungsräume? Manchmal sind die Räume in unseren Träumen so detailreich und wir haben ein ganz genaues Bild dieses Raumes, dabei befanden wir uns nie wirklich in ihm. Und was macht diese Orte besonders? Ich meine, warum erinnern uns gewisse Räume an etwas? Es muss ja eine Emotion dahinter sein, sonst wäre diese Erinnerung gar nicht erst bewusst geworden. Der actual fact, also das Bild eines Raumes, das eine Stimmung ausstrahlt und im Betrachter etwas auslöst, ist der Zweig zu den Emotionen. Also ist der Raum auf diese Weise mit dem Subjekt, dem Betrachter, verbunden – durch die affektive Betroffenheit.
„Die Intensität von Eindrücken und Gefühlen ist wesentlich für die Qualität von Wahrnehmungen, sie macht Ereignisse und Dinge bedeutsam, hebt sie anderen gegenüber hervor und macht sie erst erinnerbar. Das Gefühl selbst ist vollkommen präsentisch, es kann nicht wirklich erinnert werden (im Sinne von: wiedererlebt, re-aktiviert). Aber das Gefühl bringt die Möglichkeit der Erinnerung an die Dinge, Ereignisse, Menschen und Räume hervor.“
aus dem Buch Raum und Gefühl: Der Spatial Turn und die neue Emotionsforschung von Gertrud Lehnert (S. 16 f)
Was unterscheidet einen echten Ort von einem digitalen, bis auf dass man den echten Ort mit all seinen Sinnen sprüren kann? Aber rein visuell kann man manchmal gar nicht unterscheiden ob es sich um einen Ort handelt den es wirklich gibt oder einem, der im 3D Programm erstellt wurde. In der Therapie macht man zum Beispiel Phantasiereisen, das heißt der Patient stellt sich einen Ort vor, an dem er gerne wäre. Und die Aufgabe ist es, sich diesen Ort so genau wie möglich vorzustellen um das Gefühl zu bekommen, man würde sich wirklich dort befinden. Das heißt unser Befinden beruht auf unseren Gedanken – wir können es steuern.
Bewusstsein ist hier das Keyword. Durch das bewusste Wahrnehmen geht das Wahrgenommene über in ein Gefühl, wir entwickeln dadurch Erinnerungen. Das räumliche Gedächtnis ist immer in Bewegung, es verändert sich mit allem was wir wahrnehmen und erleben.

Ich habe in diesem Semester viel im Programm Blender gelernt und einige Experimente gemacht, die weniger mit dem räumlichen Kontext zusammenhängen aber dennoch essentiell für die Weiterarbeit sind, denn mein Plan für die Masterarbeit ist es, eigene Räume im 3D Programm zu erstellen, die man sich virtuell als 360 Grad Video ansehen kann (das zählt auch zu den Dingen die ich mir beigebracht habe) und mithilfe dieser das Thema noch mehr zu untersuchen.
Ich habe mir auch sehr viele Videos mit dem Content der „Liminal Spaces“ angesehen und war erstaunt über die Rückmeldung in den Kommentaren wo Menschen behaupten, sie würden diese Orte kennen, obwohl sie nie dort gewesen sind. Auch dass diese Bilder der Orte ganz bestimmte Gefühle hervorrufen. Wie kann es sein, dass sich die Menschen, unabhängig von Herkunft und Lebensart darüber einig sind, dass diese Bilder etwas Merkwürdiges und Besonderes in sich haben? Es ist nahezu wie die Einigkeit über die Schönheit der Natur, die kaum einer in Frage stellt. Dabei handelt es sich bei Liminal Spaces um Räume die vom Menschen geschaffen wurden – aber diese Räume haben eins gemeinsam – es sind Räume die sonst immer voller Menschen sind, aber eben dann fotografiert als sich dort keiner mehr aufgehalten hat. Eine Art „Nicht-Orte“ um in den Worten von Marc Augé zu sprechen.
Im folgenden habe ich einige Arbeiten und Experimente von mir aus diesem Semester herausgesucht und möchte mich in dem neuen Semester komplett auf Wahrnehmung von Räumen, Gefühlen und Atmosphären konzentrieren. Experimente wie diese werde ich weiterhin machen aber es ist wichtig im Thema des Masters (Feeling Spaces) weiterzukommen. Alle Bilder und Videos sind von mir selbst erstellt. Ich sammele verschiedene Bilder vom Orten und versuche sie zu kategorisieren um sie dann in verschiedenen Umfagen zu erforschen. Mir geht es vor allem darum, wann eine Atmosphäre anfängt, welche Emotionen in einem Raum als Reaktion hervorgerufen werden können und vor allem wie sich dies dann auf unsere Vorstellungsräume auswirkt.



Das sind nicht alle Arbeiten, die in diesem Semester entstanden sind sondern einige meiner Favoriten. Ich arbeite viel durch das Experiment und komme dann zu neuen Ideen und Gedanken, immer begleitet von Fragen über Wahrnehmung, Gefühl und Raum. Das sind meine kommenden Schritte für dieses Sommersemester.


