letter, word, sentence – sprachliche und typografische Experimente

Stand 25.01.2021
Die Hauptherausforderung meiner These ist die Digitalisierung klassischer Arbeiten der Konkreten und Visuellen Poesie so zu transferieren, ohne den Sinn des Werkes zu verlieren. Da es im digitalen Raum unzählige Umsetzungsmöglichkeiten gibt, sollen mehrere gestalterische Versionen der Arbeiten entstehen. Bei den Umsetzungen der eigenen Arbeiten habe ich vor auch Analoge Arbeiten durch Scans zu digitalisieren und in ein Video umzuwandeln. Außerdem werden verschiedene Instagram Filter ausprobiert. Ziel ist es eine Ansammlung von Bildern und Videos über eine Webseite so zu publizieren, dass der direkte Vergleich der Klassischen Arbeiten der Konkreten Poesie und der digital videografisch Umgesetzten Werke gezeigt wird. Außerdem war geplant diese Arbeiten in der Form einer Rauminstallation darzustellen, was jedoch durch die Corona-Pandemie leider verhindert wurde. Stattdessen wird diese Idee durch 3D Renderings, die mit dem 3D-Programm Blender umgesetzt worden sind, dargestellt. In der Rauminstallation werden die klassischen Arbeiten und neuen Interpretationen so positioniert, dass ein direkter Vergleich der Arbeit gezeigt werden kann.

Nach der Darstellung des direkten Vergleiches möchte ich folgenden Fragen beantwortet haben:Wie könnten klassische Dichtungen der Konkreten und Visuellen Poesie nach der Umwandlung ins Digitale aussehen? Werden die klassischen Arbeiten, die animiert werden, genauso wahrgenommen, wie vor der Überarbeitung ins Digitale? 

Stand 15.12.2020
Die von mir selbsternannte „Zwiespaltgeneration“ definiert die Generation, die das Analoge mitbekommen hat, sowie mit der Digitalisierung großgeworden ist. Diese Generation hat das Verständnis des Inhalts der alten Generation und neuen Generation. Sie ist klassisch und aktuell. In dieser Zwiespaltgeneration befinde ich mich und möchte die Werke der konkreten Poesie darauf adaptieren. Klassische Werke der konkreten Poesie werden mit aktuellen Themen, Medien und Formaten kombiniert. Diese Ergebnisse werden untersucht.

Auf einer Webseite sollen die eigenen und die neu kombinierten Werke präsentiert werden. Anhand einer Rauminstallation sollen die Werke dargestellt werden, jedoch wird diese Installation wegen Corona nur visuell dargestellt.

Bisher habe ich mich mit zwei Büchern (Eugen Gomringer – zur sache der konkreten I, konkrete poesie & Nicolaus Einhorn – TEXT + KRITIK, Konkrete Poesie. 1: experimentelle und konkrete Poesie) beschäftigt und folgende Zitate finde ich für wertvoll:


„unsere zeit spricht, wie jede zeit, ihre eigene sprache. sie spricht vor allem, auch wenn sie schreibt und viel schreibt. der heutige mensch will rasch verstehen und rasch verstanden werden. mittel zur verständigung sind die direkte sprache und die schrift, und da das schreiben und das lesen übel sind, die viel aufwand erfordern, ist für rasche kommunikation das ferngespräch geeigneter als der brief, der funk geeigneter als die presse. Unsere sprachen befinden sich auf dem weg der formalen vereinfachung.“[1]

„durch ihren modernen zeichencharakter hat sich die schrift an die notwendigkeit der schnelleren kommunikation angepasst. sie wird in ihrer verknappung neben der gesprochenen sprache so notwendig, wie es optische eindrücke neben akustischen sind. zugleich tritt sie in den bereich praktisch-ästhetischer wertung. die schlagzeile und das schlagwort schlagen nicht nur durch lautkombination und inhalt, sie schlagen auch durch das schriftbild. ähnliches gilt auch für längere texte, die visuell behandelt und nach grafischen gesichtspunkten gesetzt werden. hier ist es nicht nötig, dass der einzelne buchstabe, das einzelne wort schlägt, sondern dass der text sich als ganzes einprägt. das gleichmässigste, angenehmste und rationellste schriftbild wird erreicht durch die konsequente kleinschrift. es lässt sich übrigens denken, dass in zukunft noch andere visuelle ausdrucksmittel in den dienst der kommunikation gestellt werden oder dass die bewährten wie die schrift – auf neuartige weise verwendung finden.“[2]

Dabei kam mir sofort der aktuell meistgenutzten Kommunikation. Seit einigen Jahren wird über die Sozialen Medien kommuniziert. Wortkürzungen sind ein großer Bestandteil dieser Kommunikation. Zum Beispiel wird für das Wort „Danke“ die Abkürzung „thx“ benutzt, welches aus dem englischen Wort „Thanks“ abgeleitet und verkürzt wurde. Weitere Abkürzungen des Internets (Netzjargon) sind: lol (laughing out loud), idk (i dont know), fyi (for your intention), btw (by the way). In den meisten Fällen ist es so, dass Sätze abgekürzt werden. Man benutzt ausschließlich die Anfangsbuchstaben jedes Wortes und bildet dadurch die Abkürzung (Akronym). 

„bedeutet diese verknappung und vereinfachung der sprache und der schrift das ende der dichtung? gewiss nicht. knappheit im positiven sinne – konzentration und einfachheit – ist das wesen der dichtung.“[3]

„die form der neuen dichtung hängt vom mittel ab – dem wort – und vom zweck, welcher der dichtung in der heutigen gesellschaft zugeschrieben werden kann. zweck der neuen dichtung ist, der dichtung wieder eine organische funktion in der gesellschaft zu geben und damit den platz des dichters zu seinem nutzen und zum nutzen der gesellschaft neu zu bestimmen.“[4]

„der dichter ist einer, der ein schweigen bricht, um ein neues schweigen zu beschwören.“[5]

„worte sind schatten. Denn worte, die das schweigen brechen, sind gegenstände. Worte sind druckerschwärze, worte sind wellen, worte sind projektionen, worte sind taten, worte sind gestalten, worte haben formen, man sagt auch: worte haben gewicht. was aber sind worte noch? darüber wollen wir schweigen.“[6]


[1] Gomringer, Zur Sache der Konkreten, 9.

[2] Gomringer, 9.

[3] Gomringer, 9.

[4] Gomringer, 10.

[5] Gomringer, 55.

[6] Gomringer, 55.

Eigene Arbeiten – konkrete Poesie digitalisiert:
GESTERN HEUTE MORGEN

einatmen ausatmen



Stand 19.10.2020
Anhand von visuellen, videobasierten Grafiken möchte ich die sogenannte Konkrete Poesie aktualisieren und somit in neue Kontexte bringen. Es sollen unterschiedliche Arbeiten durch verschiedenste Anwendungsmethoden entstehen, welche auf einer Webseite kategorisiert dargestellt werden sollen.